Rückblick
Rückblick
2021
Aller Anfang ist schwer. Zunächst für das Jahr 2020 geplant, musste die erste Auflage des Gegengerade
Festivals aufgrund der Pandemie um ein Jahr verschoben werden. Und auch das Jahr darauf blieben die
Veranstaltenden lange im Unklaren ob und unter welchen Bedingungen das Festival stattfinden würde.
Nervosität war somit nicht nur aufgrund der Frage, ob das neu geschaffene Festival in Oldenburg vom
Publikum überhaupt angenommen werden würde, an der Tagesordnung. Geplant wurde zweigleisig mit
digitalen, hybriden und Präsenzformaten. Erst eine Woche vor dem Festival stand fest, dass selbiges unter
Auflagen mit dem bestehenden Konzept durchgeführt werden kann. Eröffnet wurde das Festival von
Oberbürgermeister Jürgen Krogmann und der Dokumentation „Macher. Mensch. Legende“ über den
Manager Rudi Assauer und seine Demenzerkrankung. Im Anschluss an den beeindruckenden Film
berichtete VfB Oldenburgs Ehrenpräsident Klaus Berster über seine persönlichen Begegnungen mit Rudi
Assauer, die auch nach seinem Wirken in Oldenburg hinaus und bis zu seinem Lebensende Bestand
hatten.
Insgesamt war das Programm der Erstauflage noch sehr vielfältig aufgestellt, da es noch keine
festgelegten Schwerpunkte gab. Mit den Filmen „Mario“ und „Testosterongesteuert“ inklusive
anschließendem Publikumsgespräch wurde das Thema Geschlechtervielfalt gesetzt. Um Frauenfußball
ging es in dem österreichischen Film „Immer wieder geht die Sonne auf“ bei dem der Regisseur digital
zugeschaltet wurde. Männlichkeitsbilder im Fußball wurden in einem Vortrag von Simon Volpers, der
auch vor Ort war, kritisch thematisiert. Ronny Blascke las per Livestream aus seinem Buch
„Machtspieler“. Zu diesem Zeitpunkt hätte noch niemand gedacht, dass dieser fortan jedes Jahr das
Festival begleiten würde. Mit „Zwischen Himmel und Hölle“ und „Und wir singen trotzdem“ wurden
zwei Dokumentationen über den VfB Oldenburg gezeigt. Ergänzt wurden die Filme durch das zeigen der
Ausstellung „Der VfB Oldenburg im Nationalsozialismus“. Bei Werkstattfilm wurde außerdem die
Ausstellung „An jeden Sonntag“ über Kreisligaorte in Deutschland präsentiert. Mit dem HFC Falke stellte
sich ein selbstverwalteter Fanverein vor, der das Festival dazu nutzte, öffentlichkeitswirksam bekannt zu
geben, dass sie an der internationalen „Fenix Trophy“ teilnehmen werden (die interrnationale
Pressekonferenz dazu wurde aus dem KinOLaden gestreamt). Auch Dynamo Windrad Kassel agierte
zunächst als selbstverwalteter Verein, was für diesen aufgrund seines Namens und der
gesellschaftspoltisichen Ausrichtung zum Problem wurde. Hierum ging es in der Vorabaufführung der
Dokumentation „Sonntag morgen Linien ziehen“ von Max Winkler, der auch vor Ort war. Die geplanten
Fußballspiele zwischen der Dritten vom VfB und den VfB Frauen gegen Borussia Leer mussten leider
pandemiebedingt abgesagt werden. Besonders in Erinnerung bleibt ein Graffiti, das während des Festivals
entstand. Am Ende des Festivals waren sich alle einig, dass es nicht bei einer einmaligen Auflage des
Festivals bleiben würde. Der Rest ist Geschichte…
Festivalfarbe: Weiß
Gäste: Christian Werner, Simon Volpers, Max Winkler, Ronny Blaschke, Walter Dinninghoff, Anne
Strauch, Ina Kast, Cindy, Mariko, Christian Rudolph, Cider Boiz Göttingen, Champanja.
Kooperatonen: Borussia Leer, Dynamo Windrad Kassel, HFC Falke, Team out & pride – Anlaufstelle für
sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Fußball (DFB/LSVD) VfB Oldenburg Die Damen, VfB Oldenburg
(Fan und Förderabteilung)
2022
Es war ein beeindruckendes und bewegendes Wochenende. Unter strahlendem Himmel fand das zweite
„Gegengerade“ Festival statt, welches von Oberbürgermeister Jürgen Krogmann eröffnet wurde.
Thematische Schwerpunkte waren Frauen und Menschenrechte im Fußball. Mit der Festivalproduktion
„Zeit zum Atemholen“ des Filmemachers Farschid Ali Zahedi gab es eine besondere Filmpremiere. Der
Film war eine Kooperation zwischen den „Gegengerade“ Festival und dem FC Ardalan im Iran. Darin
kamen mutige Frauen aus dem Iran zu Wort, die beschrieben, dass das runde Leder in einer Gesellschaft,
in der sie unterdrückt werden, ein kleines Stück zum Atmen gibt. Die Aufnahmen wurden unter
erschwerten Bedingungen aufgenommen und Zahedi an einem Flughafen von einem Boten überbracht,
der diese für den Film zusammenschnitt. Im Anschluss an die Premiere wurde der Film bundesweit an
verschiedenen Orten gezeigt und mit internationalen Filmpreisen ausgezeichnet.Ebenfalls gut besucht war
ein Vortrag von Antje, Grabenhorst, eine der Initiatorinnen der Ausstellung „Fantastic Females“ die auf
dem Festival an der Helene Lange Schule gezeigt wurde. Sie berichtete über ihre langjährigen
Erfahrungen als Frau in deutschen Fankurven. Im Anschluss an den Vortrag wurde noch lange über
Unterstützungsmöglichkeiten für Frauen durch Vereine und Fanprojekte diskutiert. Vor jeder
Veranstaltung wurde eine Auswahl an Fußballfotos präsentiert. Das Publikum durfte mit Stimmkarten
über das beste Foto entscheiden. Am Ende gewann Heinz Josef Kessen den Publikumspreis. Das Bild
transportierte die Dynamik und Bewegung beim Torschuss eines jungen Mädchens.
Festivalfarbe: schwarz
Gäste: Antje Grabenhorst, Bernd M. Beyer, Dietmar Schäfers, Wolfgang Sidka, Ronny Blaschke, Refugees
welcome in Sports VfB Oldenburg III, VfB Oldenburg (Fan und Förderabteilung), Jakob Krais, Panism,
Berry
Kooperationen: Amnesty International (Ortsgruppe Oldenburg), Brot und Spiele Podcast, Verlag die
Werkstatt/Delius Klasing, BoykottQuatar2022 Initiative, F-In-Frauen im Fußball, Fußballfans gegen
Homophobie, Football Supporters Europe, Helene Lange Schule
2023
Die dritte Auflage des Festivals beschäftigte sich mit dem Klimawandel, Inklusion, Migration, Flucht und
Krieg in Zusammenhang mit Fußball. Aufgrund von Bauarbeiten im städtischen Marschwegstadion
musste kurzfristig auf andere Orte ausgewichen werden. Mit der Deutschlandpremiere des Films „Another
Way“ über den englischen Fußballverein Forest Green Rovers, der 2018 von den Vereinten Nationen zum
ersten klimaneutralen Fußballverein der
Welt ernannt wurde, wurde das Festival nach einem Grußwort der Bürgermeisterin Nicole Piechotta im
städtischen Kulturzentrum PFL feierlich eröffnet. Das Thema Klimaschutz wurde auch am darauf
folgenden Tag auf der Podiumsdiskussion über ein mögliches neues Stadion in Oldenburg diskutiert.
Moderator Ronny Blaschke sprach hierüber mit Alina Schwermer, die zuvor beim Festival ihr Buch
„Futopia“ präsentierte. Weiterhin diskutierten mit ihm Daniela Wurbs
(BundesBehindertenFanArbeitsgemeinschaft/“KickIn!“) und Jost Glaeseker (Initiative
Nordweststadion) über Teilhabemöglichkeiten im Stadion. Auf großes Interesse beim Publikum stieß
auch der Film „Frontline Hooligans“ über eine bewaffnete Einheit von rivalisierenden ukrainischen
Hooligans, die sich im Zuge des Russischen Angriffskriegs zusammen taten, um gemeinsam das Land zu
verteidigen. Zum Spiel der dritten Fußballmannschaft des VfB Oldenburg gegen die vierte Mannschaft
des Roten Sterns Leipzig erschienen über 100 Gäste, die einen 2:0 Sieg sowie spannende als auch
unterhaltsame Momente auf dem Platz erleben durften. Abgerundet wurde das Festival mit einer „Silent
Disco“ Kopfhörer Party auf dem Freigelände bei den Weser-Ems-Hallen in unmittelbarer Nähe des
Standortes eines möglichen zukünftigen Stadions.
Festivalfarbe: blau
Gäste: Alina Schwermer, Ronny Blaschke, Jost Glaeseker, Daniela Wurbs, Roter Stern Leipzig, Panism,
Berry, Bruno Reckers, Frank Willmann, Anne Hahn
Kooperationen: Fanprojekt Köln, VfB Oldenburg III, Brot und Spiele Podcast, Verlag die Werkstatt/Delius
Klasing
2024
Das vierte „Gegengerade“ Festival setzte neue Maßstäbe indem es einen neuen Besuchsrekord verbuchen
konnte. Eröffnet wurde das Festival durch den Landtagsabgeordneten Ulf Prange, der seit Bestehen des
Festivals ein wichtiger Unterstützer der Veranstaltung ist. Dieser hob in seinem Grußwort die Bedeutung
der vielfältigen Themen des Festivals hervor.Inhaltlich ging es in diesem Jahr um Gleichberechtigung, die
zunehmenden Kommerzialisierung, Gewalt und das Verhältnis zwischen Fußballfans und Polizei.Bei der
Eröffnung im Marschwegstadion feierte österreichische Film „Stand your Ground. Steh deine Frau“ in
Anwesenheit des Regisseurs Dominik Thaller seine Deutschland Premiere. In dem Film wurden die
Frauen des Vereins Union Kleinmünchen portraitiert. Über einen Zeitraum von drei Jahren begleitete der
Regisseur den Weg und Aufstieg des Fußballvereins in Linz. Ursprünglich plante er ein Portrait des
Vereins, doch schnell sei ihm klar geworden, dass die Dokumentation weit über das eigentliche
Fußballspiel hinaus gehe, so Thaller.
Während des Festivals diskutierten Regisseure, Journalist*innen, Wissenschaftler*innen und die Polizei
mit Bürger*innen, Schüler*innen und Fans, über aktuelle gesellschaftspolitische Herausforderungen in
Zusammenhang mit Fußball. Der lebendige Austausch fand nicht nur im Stadion statt. Nach den
Veranstaltungen verabredeten sich die Gäste teilweise noch für Kneipengespräche in der Oldenburger
Innenstadt. Das Festival lebte von diesen besonderen Begegnungen und den niedrigschwelligen
Austausch. Neben Austausch und Diskussionen konnten sich die Gäste beim Festival auch kreativ
betätigen. Die Oldenburger Ultragruppierung Succade bot einen Graffiti Workshop für Interessierte an.
Für einen besonderen Moment auf dem Festival sorgte Markus Babbel (Fußball Europameister 1996). Er
trat im edlen Fürstensaal der Klinkerburg als „DJ Bavaria“ auf und brachte mit seinen rockigen Songs die
anwesenden Gäste zum tanzen. „Das Festival ist ein beeindruckendes Beispiel für eine lebendige,
kritische und politische Zivilgesellschaft im Fußball. Eine große Bereicherung für Oldenburg- und weit
darüber hinaus.“ fasste der Autor Ronny Blaschke das Festival im Jahr 2024 zusammen.
Festivalfarbe: lila
Gäste: Markus Babbel, Ronny Blaschke, Dominik Thaller, Dietrich Schulze Marmeling, Gunter A. Pilz,
Stephanie Moldenhauer, Alexander Jarling, Dispoteque, Panism, Berry, DJ Breselfetzn, Bruno Reckers
Kooperationen:Brot und Spiele Podcast, Verlag die Werkstatt/Delius Klasing, Zeitspiel Magazin,
Klinkerburg, Succade Ultrá Oldenburg, Oldenburger Fan Initiative e.V.
2025
Bei der Jubiläumsausgabe des Festivals setzten die Veranstaltenden vor allem ein wichtiges Zeichen für
die mentale Gesundheit. Bereits zum fünften mal fand im Oldenburger Marschwegstadion das
Gegengerade Fußballkulturfestival statt. Mit Oldenburg Eins, die bereits in den Vorjahren über das
Festival berichteten, wurde erstmals eine Medienpartner*innenschaft eingegangen. Der
Landtagsabgeordnete Ulf Prange hob in seiner Eröffnungrede erneut den besonderen Stellenwert des
Festivals mit den unterschiedlichen Formaten wie beispielsweise Filme, Vorträge und Workshops hervor.
Mit dem Festival sei ein großartiger Begegnungsort entstanden, bei dem sich Menschen zu
unterschiedlichen Themen austauschen, die woanders nur selten angesprochen werden, so Prange. Dies
zeigte in diesem Jahr erneut der große Zuspruch bei den Veranstaltungen. An insgesamt vier Tagen sind
die Besuchszahlen erneut gestiegen. Das Festival ist somit zu einer festen, soziokulturellen Veranstaltung
in Oldenburg und im Nordwesten Niedersachsens geworden. Insgesamt war es eine besondere
Atmosphäre in diesem Jahr, welche nicht nur dem guten Wetter geschuldet gewesen ist. Mit dem
Themenschwerpunkt Süchte, Depressionen und mentale Gesundheit gelang es den Veranstaltenden, einen
vertrauten Rahmen für Betroffene, Angehörige als auch Interessierte zu schaffen, um über ihre
Erfahrungen zu sprechen. Hierzu gehörte auch die Entscheidung, in diesem Jahr keinen Alkohol auf dem
Festival auszuschenken. Thomas Melchior beschrieb in aller Offenheit seinen Werdegang vom
Bankkaufmann in die Spielsucht, die ihn letztlich ins Gefängnis brachte. Ebenso beeindruckend waren die
Aufführungen der „Weiß braunen Kaffeetrinker*innen“ und „Schalke Null Bier“, die von ihren
Alkoholabhängigkeiten berichteten sowie der Erfahrungsbericht der Initiative „St. Depri“ über den
Umgang mit Depressionen. Ergänzt wurden die Beiträge durch eine wissenschaftliche Perspektive des
Prof. Dr. Martin Schweer. Der Sportjournalist Ronny Blaschke, langjähriger Begleiter des Festivals führte
durch die Veranstaltung. Alle waren sich im Anschluss einig, dass Verbände, Vereine und Fans mehr
Verantwortung übernehmen müssen.
Ein weiterer Schwerpunkt war Geschlechtervielfalt und FLINTA* im Fußball. Über die Entwicklung des
Frauenfußballs und die Fankultur berichteten Annika Becker und Mara Pfeiffer vom Projekt
„Bolztribüne“. Anschließend hielt Farschid Ali Zahedi einen Vortrag über weibliche Fankultur und
Proteste im Iran. Neben Workshops und Vorträgen wurde sich aber auch sportlich und kreativ betätigt. Auf
dem Nebenplatz fand ein FLINTA* Turnier mit FLINTA*SPRINTA Oldenburg, Schwarz Weiß
Oldenburg, Borussia Leer und dem FC Ohmstede statt. Letztere konnten das Turnier für sich entscheiden.
Bei einem Graffitiworkshop von Succade konnten Jugendliche sich mit Sprühdosen ausprobieren. Auf
einer Plane entstand spontan der „Gegengerade“ Schriftzug. Insgesamt waren es vier wertvolle Tage. Bei
besten Wetter und trotz des allen anderen als leichten Themen hatten wir eine positive Grundstimmung.
Viele bedankten sich bei uns, die Möglichkeit gehabt zu haben, sich über so wichtige Themen, die im
Alltag oft untergehen oder tabuisiert werden, auszutauschen.
Festivalfarbe: rot
Gäste: Annika Becker, Mara Pfeiffer, Thomas Melchior, Benjamin Best, Prof. Dr. Martin K.W: Schweer,
Christina Niegel, Tina Tomczak, Marion Albers, Raimund Grimpe, Susanne Herrnberger, Panism,
Sendepause Kollektiv
Kooperationen:Brot und Spiele Podcast, Verlag die Werkstatt/Delius Klasing, Zeitspiel Magazin, Succade
Ultrá Oldenburg, Bündnis gegen Sportwetten, Bolztribüne, Weiß- braune Kaffeetrinker*innen, Schalke
Null Bier, Sankt Depri, FLINTA*SPRINTA, Borussia Leer, Schwarz Weiß Oldenburg, FC Ohmstede,
Oldenburg Eins